Historisches zum Bootsbau
Die Eroberung des Lebensraum Wasser mit den ersten Booten

Seit der Mensch von den Bäumen stieg, hat er sich auch daran gemacht den Lebensraum Wasser zu erobern, und das nasse Element zur Fortbewegung und Fischerei zu nutzen. Wasserfahrzeuge, so nehmen Wissenschaftler an, sind so alt wie die menschliche Zivilisation. Wie sonst hätten Menschen schon vor rund 40.000 Jahren beispielsweise Australien erreicht? Die Seefahrt mit Booten ist in Mitteleuropa durch Funde seit 8.000 Jahren nachgewiesen.
Die ersten Wasserfahrzeuge sind älter als das Rad
Die ersten Fahrzeuge mit Rädern sind deutlich jünger. Das Rad musste schließlich erst erfunden werden, ein im Wasser treibender Baumstamm ist dagegen schon eher zur Hand. So werden unserer Urahnen sich wohl zunächst mit Flößen beholfen haben. Im Gegensatz zum Boot schwimmt ein Floß – wie ein Baumstamm - aufgrund seines leichteren Materials, während Boote und Schiffe aufgrund ihrer Hohlform über Wasser bleiben, selbst wenn Sie aus Stahl oder Beton gefertigt sind.
Vom treibenden Baumstamm abgeleitet ist wohl auch der älteste bekannte Bootstyp: Der Einbaum – ein ausgehöhlter Stamm, mehr oder weniger stromlinienförmig zugeschnitten und mit Paddeln angetrieben diente er den Steinzeitmenschen als Wassergefährt – und wird auch heute noch gebaut . In Afrika werden sogar solche mit Tragfähigkeit für 70 Passagiere gefertigt. Auch Boote aus Schilf sind schon aus früher Zeit bekannt und werden bis heute verwendet. Aus Papyrus hat Thor Heyerdahl bekanntlich zwei Schiffe konstruiert und Ihre Seetüchtigkeit experimentell nachgewiesen. Holzrahmenboote mit Bespannung zum Beispiel aus Leder sind von den Kajaks der Inuit her bekannt. Auch dies dürfte ein seit Urzeiten gebauter Bootstyp sein.
Wind als Antrieb schon seit tausenden von Jahren bekannt
Die Kunst, den Wind zum Antrieb zu nutzen, hat der Mensch wohl schon vor 5000 Jahren beherrscht. Auf dieses Alter lässt sich die ägyptische Darstellung eines Segelschiffes datieren. Perfektioniert wird diese Technik bis heute, ihre beeindruckendste Verwendung hatte sie wohl bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, als Großsegler mit drei, vier oder sogar fünf Masten den weltweiten Fernhandel ermöglichten. Aber der Fortschritt brachte die Dampfmaschine, den Verbrennungs- und Elektromotor und machten die Seefahrt so unabhängig vom wechselhaften Wind. Die Möglichkeiten der Menschheit, auch das Element Luft tragfähig zu machen, hat auch der Wasserfahrt neue Möglichkeiten gebracht – Tragflügel- und Luftkissenboote „fliegen“ eher übers Wasser als nach dem archimedischen Prinzip darauf zu schwimmen. Und dennoch ist bei aller Technik die Fahrt zu Wasser bis heute ein Ur-Erlebnis geblieben, das den Menschen an seine Grenzen – und über sie hinaus – bringt.
